UTM – Software-Lösung als Alternative – Teil 5

In meiner Berichtsserie über UTM-Appliances Teil 1 bis 4 habe ich Ihnen die Möglichkeiten von speziellen Hardware-Lösungen vorgestellt. Diese Teile finden sie unter „Interne Links“.



Themen dieses Berichts (was Sie erwartet):



Allgemein:

Neben speziellen Hardware-Lösungen, gibt es aber auch die Möglichkeit eine reine Software-Lösung zu realisieren.

Für diese Software-Lösung sind meine Ausführungen und Tipps ebenso gültig, natürlich ohne die speziellen Tipps zur Hardware.

Bei reinen Software-Lösungen sind ganz spezielle Schwierigkeiten zu bewältigen. Bevor ich aber auf diese Schwierigkeiten bzw. Vor- und Nachteile eingehen möchte, hier ein kurzer Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten.



Arten von Software-UTM-Lösungen:

Man kann folgende 3 Arten oder Möglichkeiten unterscheiden:



Grundsätzliche Überlegungen:

Da eine Software-UTM eine bestehende Hardware voraussetzt, sollte diese Hardware bereits zur Verfügung stehen. Die Anschaffung einer speziellen Hardware ist meist nicht empfehlenswert, da dann die Gesamtkosten eine fertige UTM übersteigen.

Ist bereits die Hardware vorhanden, sollte die Leistungsfähigkeit geprüft werden. Auch wenn eine UTM keine übermässigen Anforderungen an die Rechenleistung stellt, ist eine veraltete Hardware nicht unbedingt geeignet.

Ausserdem sollten alle Hardwarekomponenten auf ihre Kompatibilität geprüft werden! Hier helfen evtl. die Hersteller der Software-UTM weiter bzw. geben Empfehlungen.

Weiterhin sollte den benötigten Treibern ein grosses Mass an Interesse und Überprüfung gelten!

Nicht selten gibt es ausnutzbare Schwachstellen in Treibern, die die komplette Sicherheit der UTM kompromittieren.



Fertige Software-Lösungen von Herstellern, die auch Hardware-Lösungen anbieten:

Einige Hersteller bieten spezielle Software-UTM`s an. Als Beispiel, aber nicht komplette Aufzählung, wären hier zu nennen:

Diese Lösungen beinhalten oftmals ein fertiges Betriebssystem mit entsprechenden PlugIns für die eigentlichen Schutzfunktionen.

Sie bieten normalerweise den gleichen Funktionsumfang wie die Hardware-UTM des Herstellers. Natürlich sind auch hier die PlugIns entsprechend zu lizenzieren.



Vollständiger Eigenbau bzw. selbständige Konfiguration der Software-UTM:

Diese Alternative sollte nur in Betracht kommen, wenn umfangreiche Kenntnisse vorhanden sind!!

Der Aufbau einer eigenen UTM ist absolut nicht trivial und benötigt ein hohes Mass an Planung!

Insbesondere folgende Punkte sind dabei in Reihenfolge zu beachten:

Sie sehen, bereits der Aufbau einer solchen Lösung ist sehr umfangreich, noch bevor sie in Betrieb genommen werden kann.

Aber auch der Betrieb ist mit sehr viel umfangreicherer Pflege und Überwachung verbunden:

Diese Punkte sind extrem wichtig für einen sicheren Betrieb und die Aufrechterhaltung des Schutzes.

Updates:

Im Gegensatz zu einer fertigen Lösung müssen hier alle Bereiche (OS, Treiber und PlugIns) ständig und einzeln auf Updates kontrolliert werden. Bei einer fertigen Lösung werden Updates zentral über ein Update einer neuen Version eingepflegt.

Aber das zeitnahe Update auf der einen Seite und die Kompatibilitätskontrolle auf der anderen Seite stehen im Widerspruch.

Bei einer fertigen Lösung wird dies von der Entwicklungsabteilung geprüft und freigegeben.

Log-Files:

Bei einem Eigenbau werden die Logdateien der verschiedenen PlugIns oftmals nicht zentral gesammelt und dargestellt. Hier hat jedes PlugIn seine eigene Log-Datei, welche regelmässig geprüft werden müssen.



Virtuelle Software-UTM`s:

Ein möglicher Kompromiss zwischen fertiger und einer eigenen Lösung kann der Aufbau einer virtuellen Maschine als UTM sein.

Als Plattform kommen folgende Produkte in Frage:

VMWare bietet Vorteile in der Unterstützung unterschiedlichster Betriebssysteme sowohl als Gast-, wie auch als Hostsystem.

Dagegen ist Virtual PC / Server Freeware.

Aber auch VMWare bietet mit dem VMWare-Player und dem VMWare-Server Freeware-Produkte an.

Der grundlegende Vorteil ist, dass in der virtuellen Maschine Standard-Hardware emuliert wird. Die Pflege der Treiber wird damit vereinfacht, da nur noch „Treiberpakete“ geladen werden müssen (bei VMWare die VM-Tools).

Prinzipiell bietet eine virtuelle Umgebung folgende Integrationsmöglichkeiten:

Virtual Appliances Marketplace:

Eine Gemeinschaft, die durch VMWare gepflegt wird. Hier finden sich unzählige fertige Lösungen für alle Ansprüche. Von reinen Mailgateways über Auditing-System bis hin zu UTM-Appliances.

Diese Lösungen sind nicht selten kostenfrei verfügbar, wurden speziell konfiguriert und beinhalten oftmals schon die notwendigen Treiber (VM-Tools).

Teilweise sind diese Lösungen sogar zertifiziert.

Der „Virtual Appliances Marketplace“ bietet verschiedene Kategorien, wobei hier insbesondere die Bereiche „Operating System“ und „Security“ interessant sind.

Eine sehr interessante und mitunter kostengünstige Möglichkeit!

Prüfen sollte man aber unbedingt:



Vorteile und Nachteile der unterschiedlichen Software-UTM`s:

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch die Vor- und Nachteile der verschiedenen Lösungsansätze aufzeigen, welche nicht den Anspruch der Vollständigkeit beanspruchen!!



Allgemeine Vor- und Nachteile:

Vorteile:

Nachteile:

Auf den Punkt „Platzintensiv“ möchte ich besonders eingehen!

Fertige UTM-Appliances sind entweder als kleines Tischmodell oder als 19Zoll-Appliance aufgebaut, wobei die 19Zoll-Appliance oftmals nur eine HE (Höheneinheit) im Netzwerkschrank verbraucht.

Um z.B. die Portdichte einer fertigen Appliance von 4-8 Ethernet-Ports zu realisieren, muss man entweder ein normales Desktop-Gehäuse oder ein mehrere HE grosses Gehäuse verbauen.

Weitere baulich bedingte Nachteile sind:



Vor- und Nachteile von fertigen Lösungen von Herstellern für UTM-Appliances:

Vorteile:

Nachteile:



Vor- und Nachteile von Eigenentwicklungen:

Vorteile:

Nachteile:



Vor- und Nachteile von virtuellen UTM`s:

Virtuelle UTM`s haben prinzipiell die gleichen Vor- und Nachteile wie sie auch die Lösungen, die Sie virtualisieren wollen, haben!

Es gibt aber noch einige weitere zu nennen.

Vorteile:

Nachteile:

Auf den Punkt „Clustering“ möchte ich noch kurz eingehen!

Cluster:

Unter einem „Cluster“ versteht man den Zusammenschluss von mehreren Systemen. Dies kann z.B. der Hochverfügbarkeit dienen. Somit wird aber auch die Hardware noch effektiver ausgenutzt!

Zusätzlich stehen kostengünstig erweiterte Funktionen zur Verfügung, wie:

Allerdings ist darauf zu achten, dass auch unterschiedliche Hardwaresysteme für ein hochverfügbares Clustering eingesetzt werden müssen, um SPOF (Single Points of Failure) auszuschliessen!

Eine genaue Beschreibung von Clustern finden Sie unter den „Externen Links“.



Spezieller Tip für zusätzliche Sicherheit einer Software-UTM:

Um eine Software-UTM noch sicherer zu machen, sollte man die Möglichkeit prüfen, ob der Einsatz auch ohne beschreibbare Medien möglich ist!

Das bedeutet:

Während solche Lösungen für reine Firewalls schon lange möglich sind, sollte man sich speziell beim Aufbau einer Eigenentwicklung über die Realisierung dieses Punktes schon in der Planungsphase Gedanken machen!

Natürlich kann man nicht vollkommen auf einen Schreibzugriff verzichten (Laden neuer Virensignaturen) aber spezielle Konfigurationsdateien sollten umfangreich geschützt werden.

Ein möglicher Ansatz wäre, das die UTM-Software entweder von CD oder einem schreibgeschützten ISO-File gebootet wird (auch virtuell möglich).

Alle wichtigen Konfigurationsdaten (z.B. Firewallregeln) liegen auf einem USB-Stick mit schaltbarem Schreibschutz. Werden gewollte Änderungen vorgenommen, kann der Schreibschutz temporär deaktiviert werden.

Nur Dateien, die wirklich geändert werden müssen (Signaturen, Log-Files usw) sollten auf einem beschreibbaren Medium (z.B. Festplatte) gespeichert werden.

Hier ist aber besonders auf die Reduzierung der Berechtigungen für den Schreibzugriff zu achten!

Man kann z.B. jedem Dienst ein eigenes Konto zuordnen, sodass er nicht mit allmächtigen Systemrechten läuft. Nun kann man nur diesem Konto den Schreibzugriff auf diese Ordner/Dateien gewähren (z.B. dem Virenscanner den Ordner für die Signaturupdates).



Abschluss:

In dieser fünfteiligen Serie über UTM-Appliances haben Sie nun eine Menge an wissenswerten Details zu den Funktionen, Schutzmöglichkeiten und den verschiedenen Arten gelesen.

Ich hoffe ich habe Ihnen damit eine wertvolle Wissensgrundlage für Ihre Kaufentscheidung gegeben!



Selbstverständlich unterliegen alle Teile meinem Copyright! Wenn Sie diesen Bericht auf Ihrer Homepage oder einem anderen Medium verfügbar machen möchten, bitte ich um eine Verlinkung auf diesen Bericht, bzw. das Einholen einer Genehmigung durch mich!



Interne Links:

Teil 1 – UTM-Komplette Sicherheit aus einer Box: http://www.security-dome.eu/UTM-Appliance_Teil_1.html

Teil 2 – UTM-Funktionen, Kriterien und Übersicht: http://www.security-dome.eu/UTM-Appliance_Teil_2.html

Teil 3 – UTM-Anti-Virus Scanmethoden: http://www.security-dome.eu/UTM-Appliance_Teil_3.html

Teil 4 – UTM-Erweiterte Funktionen und technische Möglichkeiten: http://www.security-dome.eu/UTM-Appliance_Teil_4.html

Teil 5 – UTM-Software-Lösung als Alternative: dieser Bericht



Externe Links:

VarySys (PacketAlarm): http://www.packetalarm.de/

Astaro: http://www.astaro.de/

Alladin: http://www.alladin.de/

VMWare: http://www.vmware.com/

VMWare Freeware Produkte: http://www.vmware.com/products/free_virtualization.html

VMWare Virtual Appliances Marketplace: http://www.vmware.com/vmtn/appliances/

Virtual PC: http://www.microsoft.com/windows/virtualpc/default.mspx

Virtual Server: http://www.microsoft.com/germany/virtualserver/default.mspx

Beschreibung Cluster: http://de.wikipedia.org/wiki/Computercluster



Weitere Informationen bzw. zur Diskussion dieses Beitrags besuchen Sie unser Forum unter --> http://www.security-dome.eu/forum/pA/




Autor: Frank Richter

Copyright: Frank Richter – securITy-dome.eu

Erstellungsdatum: 01.02.07

Letzte Aktualisierung: 01.02.07



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